Strombezug und Stromeinspeisung lassen sich nur dann korrekt abrechnen, wenn beide zweifelsfrei identifizierbar sind. Dafür kennt der deutsche Energiemarkt zwei getrennte Objekte mit jeweils eigener Kennung: die Marktlokation und die Messlokation. Wer beide verwechselt, produziert Zuordnungsfehler in Bilanzkreis, Direktvermarktung und Einspeiseabrechnung. Dieser Artikel schafft Klarheit für Anlagenbetreiber.
Marktlokation und Messlokation – was steckt dahinter?
Eingeführt hat die Bundesnetzagentur die Begriffe Marktlokation und Messlokation mit den Festlegungen vom 20. Dezember 2016 zum sogenannten Interimsmodell (BK6-16-200 für Strom, BK7-16-142 für Gas). Vorgeschlagen wurden sie vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) im Rollenmodell für die Marktkommunikation. Zuvor kursierten für dieselben oder ähnliche Objekte Begriffe wie „Lieferstelle", „Entnahmestelle", „Ausspeisestelle", „Messstelle" oder „Zählpunkt". Diese wurden teils synonym verwendet, teils mit unterschiedlicher Betrachtungsebene. Genau diese Unschärfe sollte die Umstellung beseitigen.
Was ist die Marktlokation (MaLo)?
Die Marktlokation wird definiert als „Ort, an dem Energie erzeugt oder verbraucht wird“ und der über mindestens eine Leitung mit einem Netz verbunden ist. Damit ist gemeint, dass neben dem Stromzähler selbst auch die darin gemessenen Stromrichtungen eindeutig identifiziert werden. Misst ein Stromzähler beispielsweise eingehende (bezogene) und ausgehende (eingespeiste) Ströme, gibt es zwei unterschiedliche Marktlokationen, eine für die aus dem Netz bezogenen Strommengen und eine für die Strommengen, die in das öffentliche Netz eingespeist werden.
Fachlich ist die Marktlokation ein bilanzierungs- und abrechnungstechnisches Konstrukt: An ihr findet die Belieferung beziehungsweise die Einspeisung statt, und sie bildet die Grundlage der Bilanzierung. Ein dediziertes physisches Gerät ist die Marktlokation ausdrücklich nicht. Jede Marktlokation ist zu jedem Zeitpunkt genau einem Bilanzkreis zugeordnet (§ 4 Abs. 3 StromNZV). Das ist der eigentliche Grund für ihre Existenz: Ohne eindeutige Zuordnung lässt sich die Strommenge weder bilanzieren noch abrechnen.
Die Identifizierung selbst geschieht über die Marktlokationsidentifikationsnummer (MaLo-ID), die immer aus 11 Ziffern besteht. Die Marktlokations-ID wird vom Netzbetreiber vergeben und identifiziert die jeweilige Marktlokation nach ihrer erstmaligen Zuordnung dauerhaft. Eine Veränderung der MaLo-ID ist unzulässig, solange die Marktlokation existiert. Dies gilt auch im Fall eines Netzbetreiberwechsels.
Aufbau der 11-stelligen MaLo-ID
Die MaLo-ID ist eine rein numerische, elfstellige Codenummer. Sie identifiziert eine Marktlokation (oder eine Tranche) nach der erstmaligen Zuordnung dauerhaft. Eine Veränderung ist unzulässig, solange die Marktlokation existiert. Auch ein Netzbetreiberwechsel ändert daran nichts.
Beantragt werden die Nummernkreise von den Netzbetreibern bei einer der beiden Codevergabestellen: der Energie Codes und Services GmbH (BDEW) oder der DVGW Services und Consult GmbH. Die Zuordnung einer konkreten Nummer zu einer konkreten Marktlokation verantwortet anschließend der Netzbetreiber.
Eine 1 bis 3 an der ersten Stelle weist auf den DVGW als Vergabestelle hin, eine 4 bis 9 auf den BDEW. Die Angabe der Vergabestelle sagt jedoch nichts darüber aus, ob es sich um eine Strom- oder eine Gas-Marktlokation handelt. Jede bei BDEW oder DVGW angeforderte MaLo-ID kann einer Strom-Marktlokation, einer Gas-Marktlokation oder einer Tranche zugeordnet werden.
Die elfte Stelle der MaLo-ID ist eine Prüfziffer. Damit lässt sich eine MaLo-ID auf Plausibilität prüfen, bevor sie in Meldungen oder Verträge wandert.
Warum ein Wind- oder Solarpark mehrere Marktlokationen hat
Erzeugung und Entnahme sind getrennte Marktlokationen, auch dann, wenn sie physisch über denselben Zähler laufen. Ein Wind- oder Solarpark hat daher typischerweise:
- eine erzeugende Marktlokation für die in das Netz eingespeisten Mengen und
- eine verbrauchende Marktlokation für den Netzbezug, etwa für Eigenbedarf, Umrichter, Hilfsbetriebe oder Nachtbeleuchtung.
Beide besitzen eine eigene MaLo-ID, beide können unterschiedlichen Lieferanten und unterschiedlichen Bilanzkreisen zugeordnet sein. Für erzeugende Marktlokationen gelten eigene Marktprozesse: die MPES (Marktprozesse für erzeugende Marktlokationen Strom).
Was ist die Messlokation (MeLo)?
Der BDEW definiert die Messlokation als „der Ort, an dem Energie gemessen wird“. Dazu zählen alle technischen Einrichtungen, die zur Ermittlung und ggf. Übermittlung der Messwerte erforderlich sind. In der Energiewirtschaft ist damit der Stromzähler gemeint. Die Messwerte einer oder mehrerer Messlokationen bilden die Grundlage dafür, die verbrauchte oder erzeugte Energiemenge einer Marktlokation zu ermitteln.
Die Messlokationsnummer (MeLo-Nr./MeLo-ID) oder auch Zählpunktbezeichnung (ZPB) identifiziert demnach einen Stromzähler. Sie ist immer 33-stellig und beginnt mit den Buchstaben DE; darauf folgen hauptsächlich Ziffern.
Anders als die Marktlokation hat die Messlokation mit der Einführung der MaLo-ID keine neue Kennung erhalten: Die ZPB gilt unverändert weiter. Gebildet wird sie nach der VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4400 („Messwesen Strom", Metering Code).
Abrechnungsrelevante Stromzähler, die von einem Messstellenbetreiber betrieben werden und für die Abrechnung von Strom, der aus dem Netz bezogen wird, verwendet werden, erhalten vom zuständigen Netzbetreiber die Identifikationsnummer. Anlagenbetreiber, die weitere Stromzähler selbst betreiben (etwa zur Stromabrechnung innerhalb der Kundenanlage), können eine eigene (interne) MeLo vergeben. Wichtig für die Abgrenzung: Unterzähler innerhalb einer Kundenanlage sind keine Messlokationen im Sinne der Marktkommunikation. Sie dienen der internen Abrechnung, etwa gegenüber Mietern oder Letztverbrauchern, und werden nicht über die Marktkommunikation angesprochen.
Aufbau der 33-stelligen MeLo-ID
Aus der Zählpunktbezeichnung lassen sich weder Tarif noch Verbrauch, Zählertyp oder Anlagenadresse ablesen. Führende Nullen und Füllzeichen im hinteren Block sind normal und kein Fehler.
Marktlokation oder Messlokation? Die Unterschiede auf einen Blick
Marktlokation und Messlokation stehen nicht in einem festen 1:1-Verhältnis. Genau dieses Auseinanderfallen war der Anlass, beide Objekte überhaupt begrifflich zu trennen.
- Mehrere Messlokationen, eine Marktlokation: Werden mehrere Zähler zu einer gemeinsamen Abrechnungsgröße verrechnet, entsteht daraus eine einzige Marktlokation. Typisch ist das virtuelle Summenzählermodell nach § 20 Abs. 1d Satz 3 EnWG, wie es bei Mieterstrom und der gemeinschaftlichen Gebäudeversorgung eingesetzt wird.
- Eine Messlokation, mehrere Marktlokationen: Ein Zweirichtungszähler erfasst Bezug und Einspeisung. Bilanziell sind das zwei Marktlokationen mit zwei MaLo-IDs.
- Mehrere Marktlokationen je Anschluss: Eine steuerbare Verbrauchseinrichtung nach § 14a EnWG wird in Modul 2 über einen eigenen Zähler und eine eigene Marktlokation abgerechnet.
Wozu werden die Marktlokation und Messlokation benötigt?
Ohne korrekte MaLo-ID bzw. MeLo-ID lässt sich eine Windkraft- oder PV-Anlage weder sauber bilanzieren noch nachvollziehbar abrechnen. Konkret hängen daran:
- Bilanzkreiszuordnung: Jede Marktlokation und jede Tranche ist zu jedem Zeitpunkt genau einem Bilanzkreis zugeordnet (§ 4 Abs. 3 StromNZV). Liegt keine eindeutige Zuordnung vor, kann der Netzbetreiber die Einspeisung bis zur Klärung unterbinden.
- Direktvermarktung und Vermarkterwechsel: An- und Abmeldungen laufen über die MaLo-ID der erzeugenden Marktlokation beziehungsweise der Tranche.
- Rechnungspflichtangaben: § 40 Abs. 2 Nr. 3 EnWG verpflichtet Lieferanten, in Rechnungen an Letztverbraucher den zuständigen Messstellenbetreiber, die für die Belieferung maßgebliche Zählpunktbezeichnung und die Codenummer des Netzbetreibers anzugeben. Nach dem BDEW-Leitfaden Kundenrechnung werden dafür in der Praxis MaLo-ID und Messlokations-Kennung ausgewiesen.
- 24-Stunden-Lieferantenwechsel: Seit dem 6. Juni 2025 wird der Stromlieferantenwechsel nach § 20a Abs. 2 EnWG technisch binnen eines Werktags vollzogen. Maßgeblich für die Zuordnung ist dabei die MaLo-ID, nicht mehr die Zählernummer. Rückwirkende An- und Abmeldungen sind seither ausgeschlossen.
- Redispatch: Steuerbare und technische Ressourcen (SR-ID, TR-ID) setzen auf der Marktlokation auf. Fehlerhafte Stammdaten schlagen unmittelbar auf Abrufe und Entschädigungsansprüche durch.
- Netzentgelte nach § 14a EnWG. Die Modulwahl für steuerbare Verbrauchseinrichtungen erfolgt je Marktlokation.
Wo finden Anlagenbetreiber Marktlokations-ID und Messlokationsnummer?
Die MaLo-ID für den Netzbezug steht auf der Stromrechnung des Lieferanten, meist im Kopfbereich oder im Abrechnungsnachweis in der Nähe von Zählernummer und Netzbetreiber-Codenummer.
Die MaLo-ID für die Einspeisung sowie die zugehörige Zählpunktbezeichnung weist im Regelfall die Einspeiseabrechnung des zuständigen Netzbetreibers aus:

Weitere verlässliche Fundstellen:
- Vertrag über den Messstellenbetrieb. Er führt alle Mess- und Marktlokationen auf, für die der Messstellenbetrieb vereinbart wurde. Der Messstellenbetreiber selbst weiß, welche Zähler er betreut.
- Kunden- oder Netzbetreiberportal, sofern verfügbar.
- Netznutzungs- beziehungsweise Lieferantenrahmenvertrag und die zugehörigen Bestandslisten.
- Am Zähler beziehungsweise Zählerschrank, dort ist neben der Seriennummer häufig auch die Zählpunktbezeichnung ausgewiesen.
Liegt keine der Angaben vor, teilt der Netzbetreiber die MaLo-ID auf Anfrage mit.
Typische Stolperfallen in der kaufmännischen Betriebsführung
Für Anlagenbetreiber bieten die Markt- und Messlokationen zwar einerseits klare Zuordnungen. In der Praxis kommt es aber häufig zu Verwechslungen und Fehlern, die direkte Auswirkungen auf die kaufmännische Betriebsführung haben. Beispielsweise wenn Bezugs- und Einspeise-MaLo vertauscht sind, entstehen falsch zugeordneten Mengen und fehlerhaften Abrechnungen, die oft erst im Jahresabschluss auffallen. Auch eine Verwechslung von EEG-Anlagenschlüssel statt MeLo-ID kommt regelmäßig vor, da beide 33 Zeichen lang sind und häufig nebeneinander auf derselben Abrechnung des Netzbetreibers stehen.
Wer ein Anlagen-Portfolio mit mehreren Standorten, Vermarktungsverträgen und Messkonzepten führt, braucht dafür eine belastbare Stammdatenbasis. Genau hier setzt die kaufmännische Betriebsführung mit opti.node an: Markt- und Messlokationen, Zähler, Vermarktungsverträge und Abrechnungsdaten liegen an einer Stelle und werden konsistent gehalten. Sie bilden die Grundlage beispielsweise für die korrekte Stromabrechnung und das Erlösmonitoring.















