Stromabrechnungen für gewerblichen Mieterstrom rechtskonform aufsetzen. In unserem Artikel geben wir dazu wichtige Hinweise.
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PV-Strom korrekt abrechnen – das müssen Sie beachten (inkl. Musterabrechnung)

Im ersten Teil unserer Serie „Gewerblicher Mieterstrom – Praxiswissen zu Lieferverträgen und Abrechnungen“ haben wir uns das Thema „Stromlieferverträge“ näher angeschaut. Nun springen wir ein Jahr in die Zukunft: Ihre Abnehmer haben in dieser Zeit den grünen und günstigen Strom aus Ihren Solaranlagen bezogen. Es ist an der Zeit, die erste Abrechnung zu verschicken.

Im zweiten Teil unserer Serie zeigen wir Ihnen die Fallstricke, die Sie bei der Erstellung von Abrechnungen vermeiden sollten und geben Ihnen Tipps aus der Praxis. Tipp: Laden Sie sich auch unsere Musterabrechnung herunter.

Hier kann man sich die Musterabrechnung von node.energy herunterladen
Gewerblicher Mieterstrom, Teilversorgung, Strommix – das alles steckt in der Beispielmusterabrechnung von node.energy

Datenerfassung – gelieferte Strommengen auslesen und abrechnen

Um eine rechtskonforme Abrechnung zu erstellen, müssen Sie wissen, welche Strommengen Sie in Rechnung stellen können. Die von Ihrem Kunden verbrauchte Strommenge erhalten Sie entweder vom zuständigen Messstellenbetreiber (MSB) oder Sie müssen diese selbst von den verbauten Stromzählern ablesen. Haben Sie nur einen Zähler an der Solaranlage und am Netzverknüpfungspunkt installiert, können Sie über die Differenz der erzeugten und eingespeisten Mengen den Verbrauch Ihrer Abnehmer errechnen.

Die MSBs stellen die Daten in den meisten Fällen über ein Online-Portal zur Verfügung, in das Sie sich einloggen können. Die Daten werden viertelstündlich erhoben. In der Regel erhalten Sie dort aber auch eine jährliche Übersicht.

Praxistipp: Messkonzept für die Stromabrechnung beachten

Beachten Sie unbedingt bilanzielle Entscheidungen, die Sie in Ihrem Messkonzept getroffen bzw. mit Ihren Verbrauchern vereinbart haben. Beliefern Sie zum Beispiel zwei Abnehmer und haben entschieden, dass Verbraucher 1 den Solarstrom priorisiert erhält, müssen Sie seinen gesamten Verbrauch mit dem Solarstrom so weit wie möglich (rechnerisch) abdecken. Nur der überschüssige Solarstrom wurde dann an Verbraucher 2 geliefert und wird entsprechend abgerechnet.

Gesetzliche Vorgaben zur Abrechnung von Mieterstrom

Bei der PV-Direktlieferung, auch ungeförderter oder gewerblicher Mieterstrom genannt, gelten für Sie die Vorgaben aus der Energiegesetzgebung. Dazu zählt, dass Sie die Abrechnungen innerhalb von sechs Wochen nach dem Abrechnungszeitraum Ihren Abnehmern vorlegen müssen.

Insbesondere gelten für Mieterstromabrechnungen, egal ob geförderter oder ungeförderter Mieterstrom, die Regelungen aus §40 des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG):

  • die Rechnung muss einfach und verständlich gestaltet sein und auf Wunsch unentgeltlich erläutert werden
  • neben Ihrem Namen und Ihrer Anschrift müssen auch Ihre Kontaktdaten für eine „unverzügliche Kontaktaufnahme“ ausgewiesen werden
  • der Rechnungsbetrag und das Fälligkeitsdatum müssen deutlich erkennbar sein
  • die Vertragsdauer und Vertragsfristen mit Kündigungsfrist und nächstmöglichem Kündigungstermin müssen klar ausgewiesen sein
  • und die Rechte Ihres Abnehmers müssen aufgelistet werden

Außerdem gehören auf eine Stromabrechnung die Markt- und Messlokationen der Stromzähler. Dabei ist zu beachten: Betreiben Sie die Stromzähler Ihrer Verbraucher selbst, müssen Sie auf der Abrechnung statt der Markt- und Messlokationen die Zählernummern angeben, die Sie selbst vergeben haben. In diesem Fall ist es auch Ihre Aufgabe, die gemessenen Strommengen für die Erstellung der Abrechnung abzulesen.

Begriffserklärung: Markt- und Messlokation

Markt- und Messlokationen sind individuelle Nummern, die Sie erhalten, wenn Sie Ihre Stromzähler beim zuständigen Netzbetreiber anmelden. Das geschieht automatisch, wenn der Betrieb der Stromzähler von einem Messstellenbetreiber übernommen wird.

Messlokation: Eine individuelle und eindeutige Nummer für den Stromzähler.

Marktlokation: Eine individuelle und eindeutige Nummer für jede von einem Stromzähler gemessene Stromrichtung. Misst Ihr Stromzähler beispielsweise eingehende (bezogene) und ausgehende (eingespeiste) Ströme, erhalten Sie zwei unterschiedliche Marktlokationen, eine für die aus dem Netz bezogenen Strommengen und eine für die Strommengen, die Sie in das öffentliche Netz einspeisen.

Kosten für die Mieterstromabrechnung aufschlüsseln

Neben den Gesamtkosten für den gelieferten Solarstrom müssen auch die einzelnen Bestandteile angegeben werden (vgl. Bild 1). Das sind bei der PV-Direktlieferung der vereinbarte Strompreis (auch Arbeitspreis genannt) die EEG-Umlage und, bei Anlagen über 1 MW Nennleistung, die Stromsteuer. Da die EEG-Umlage am 01.07.2022 auf 0 ct/kWh reduziert wird, muss sie auf den Rechnungen ab Juli nicht mehr angegeben werden.

Kostenaufschlüsselung PV-Direktlieferung mit EEG-Umlage
Bild 1: Kostenaufschlüsselung PV-Direktlieferung mit EEG-Umlage

Praxistipp: Stromsteuerpflicht und Stromsteuerbefreiung

Solaranlagen mit einer Nennleistung bis zu 1 MW sind laut der Stromsteuer-Durchführungsverordnung grundsätzlich von der Stromsteuer befreit. Für Anlagen unter 2 MW, deren Strom lokal geliefert wird, können Betreiber eine Befreiung der Stromsteuer beantragen (vgl. § 9 Stromsteuergesetz). Ohne diese Befreiung muss die Stromsteuer jährlich berechnet und bezahlt werden. Betreiber können aber am Ende des Jahres eine Rückerstattung beantragen.

Für die in Abbildung 1 dargestellte Beispielanlage (Nennleistung: 1,26 MW) wurde die Befreiung beantragt. Aus Gründen der Transparenz werden die stromsteuerpflichtigen Mengen aber weiterhin angegeben, in diesem Fall mit 0 ct/kWh.

Vollversorgung bei PV-Direktlieferung – das muss extra auf die Abrechnung

Bieten Sie als Solaranlagenbetreiber geförderten Mieterstrom an oder haben sich dafür entschieden, die Vollversorgung für Ihre Abnehmer zu übernehmen, müssen Sie in der Abrechnung auch die Kosten für den Strom aus dem Netz auflisten (vgl. Bild 2).

Preiszusammensetzung für Netzstrom
Bild 2: Preiszusammensetzung für Netzstrom

Denn Vollversorgung bedeutet, dass Sie die Versorgung der Abnehmer mit Strom garantieren, auch in der Nacht oder an wolkigen Tagen. Dies wird sichergestellt, indem Sie einen Vertrag mit einem konventionellen Elektrizitätsversorgungsunternehmen abschließen und Ihre Abnehmer darüber auch mit Strom aus dem Netz versorgen. Die Höhe der einzelnen Preisbestandteile können Sie der Abrechnung entnehmen, die Sie wiederum vom zuständigen Elektrizitätsversorgungsunternehmen erhalten.

Praxistipp: Weiterleitungskosten können sich ändern

Beachten Sie bei besonders stromintensiven Kunden, etwa in der Industrie, dass sich die § 19-Strom-NEV-Umlage sowie der Leistungspreis Netznutzung verändern können.

Die § 19-Strom-NEV-Umlage reduziert sich für jede Kilowattstunde Strom, die nach der ersten bezogenen Gigawattstunde Strom bezogen wird. Das gilt aber nur pro Verbraucher, die bezogenen Strommengen von verschiedenen Abnehmern dürfen nicht zusammengerechnet werden.

Der Leistungspreis Netznutzung ist abhängig von der höchsten Lastspitze (kW) im jeweiligen Jahr.

Bei mehreren Abnehmern, die Sie voll mit Strom versorgen, sollten Sie die entstandenen Kosten also überprüfen und gegebenenfalls pro Abnehmer umrechnen.

Pflichtangaben zum Strommix

Eine weitere gesetzliche Vorgabe für Stromabrechnungen besagt, dass Sie den gelieferten Strom im Vergleich zum durchschnittlichen deutschen Strommix darstellen müssen.

Hier gilt zu beachten: Sie dürfen Ihren Solarstrom nur dann als 100 % Grünstrom darstellen, wenn Sie dafür auch einen Herkunftsnachweis besitzen. Besitzen Sie diesen nicht, müssen Sie den Strom aus Ihren Anlagen als Strommix für EEG-Zahler darstellen.

Auch hier gibt es eine Änderung ab dem 1. Juli 2022: Da die Stromabnehmer die EEG-Umlage nicht mehr zahlen, gibt es keine gesonderte

Darstellung mehr. Liegt kein Herkunftsnachweis vor, wird auch bei der PV-Direktlieferung der deutsche Strommix abgebildet (vgl. Bild 3).

Ab Juli 2022 beträgt die EEG-Umlage 0 ct/kWh. Das wirkt sich auch auf die Darstellung des Stromvergleichs aus.
Bild 3: Ab Juli 2022 beträgt die EEG-Umlage 0 ct/kWh. Das wirkt sich auch auf die Darstellung des Stromvergleichs aus. © node.energy

Die Zusammensetzung des deutschen Energieträgermixes finden Sie zum Beispiel auf der Seite des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Die Daten des Vorjahres werden zum 01. November herausgegeben und müssen entsprechend auf Ihren Abrechnungen aktualisiert werden.

Praxistipp: Zertifizierung oder EEG-Förderung

Das Doppelvermarktungsverbot im EEG regelt, dass Betreiber von Stromerzeugungsanlagen entweder ein Grünstromzertifikat oder die Förderung aus dem EEG erhalten. Wenn Sie also den Strom aus Ihren Anlagen zertifizieren lassen, erhalten Sie zum Beispiel keine Netzeinspeisevergütung mehr.

Es gibt jedoch die Möglichkeit, dass Sie nur für den Strom, den Sie an Ihre Abnehmer liefern, einen Herkunftsnachweis beantragen. Dadurch können Sie den Strom aus der PV-Direktlieferung als 100 % grünen Strom ausweisen und erhalten weiterhin die Förderung aus dem EEG für den eingespeisten Strom.

Abrechnungen für Mieterstrom einfach per Software erstellen

Eine rechtskonforme Abrechnung zu erstellen, bringt einige Hürden und Fallstricke mit sich. Einige Betreiber ziehen externe Berater hinzu, um diese wiederkommende Pflicht zu erfüllen. Doch es gibt eine weitere kostengünstige und zuverlässige Option: den opti.node Manager von node.energy. Unsere Software-Lösung erstellt automatisch die Abrechnungen für Sie und unterstützt Sie dabei, weiteren Pflichten wie etwa der Meldung der stromsteuerpflichtigen Mengen fristgerecht nachzukommen.

Kontaktieren Sie uns gerne bei Fragen oder buchen Sie direkt einen Termin mit uns.

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