PV-Dachanlagen: Potenziale erkennen und Projekte richtig planen

geschrieben von
Paulina Würth
und

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Erste Veröffentlichung am
17.1.24
aktualisiert am
30.1.24
Solaranlagen auf einem Gewerbedach, im Hintergrund die untergehende Sonne.
© FreelanceImages/Universal Images Group/SCIENCE PHOTO LIBRARY
Inhalt

Während ein Balkonkraftwerk ohne größere Genehmigungsverfahren einfach an das Geländer geklemmt werden kann, gelten für Aufdachanlagen bei Gewerbeimmobilien Brandschutzvorschriften, Netzanschlussregularien und VDE-Mindestanforderungen.

Wie man dabei den Durchblick behält und welche Überraschungen ein PV-Projekt mit sich bringt, haben wir Peter Schuth gefragt, Gründer von Avantag und technischer Berater bei Kundenprojekten von node.energy. Im Interview sprechen wir mit ihm über geeignete Dächer, Grenzen bei der Anlagendimensionierung und worauf man bei der Ausschreibung eines Projektes achten sollte.

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Hallo Herr Schuth, welche Voraussetzungen muss ein Gewerbedach erfüllen, damit eine Solaranlage installiert werden kann?

Das Dach sollte in einem guten Zustand sein, sodass auch keine Sanierungen in den nächsten 15 bis 20 Jahren notwendig ist. Darüber hinaus muss es auch Lastreserven für die PV-Anlage geben. Bei Solaranlagen rechnen wir mit 15 bis 20 kg pro m2. Punktuell kann aber noch mehr hinzukommen, um etwa in Eck- und Randbereichen ausreichend Ballast zu erzeugen. Das schützt gegen die Versagensfälle „Verschieben“ und „Abheben“, wenn der Wind auf die Anlage einwirkt.

Die Lastreserven fallen immer unterschiedlich aus: bei Gebäuden aus den 60er bis 80er Jahren sind meist noch mehr Lastreserven vorhanden als bei Gebäuden aus den 90ern. Bei noch neuen Gebäuden ist oft schon wieder eine Dachlastreserve für PV-Anlagen mit einkalkuliert.

Aber auch wenn es auf dem Papier erstmal nicht danach aussieht, lassen sich vielfach Lastreserven finden, zum Beispiel wenn im Bau ein leichteres Dämmmaterial verwendet wurde als geplant oder eine Sprinkleranlage doch nicht eingebaut wurde. In Einzelfällen lässt sich auch durch zusätzliche Winkel und Stützen die nötige Tragfähigkeit herstellen. Grundsätzlich kann man aber durchaus mal ein paar Prozent über die berechnete Statik hinausgehen. Das ist aber immer eine Einzelfallentscheidung, die nur der Statiker treffen kann.

Darüber hinaus muss sich das Dach natürlich auch für Solarstrom eignen. Es sollte also ausreichend schattenfreie Flächen geben. Das ist bei Gewerbedächern nicht immer gegeben, die meisten sind nicht quadratisch, praktisch, gut. Stattdessen gibt es Kamine, Brandwände, Firste oder Traufen, die entweder Schatten werfen oder es unmöglich machen eine zusammenhängende großflächige Anlage zu installieren. Dazu kommt noch die Umgebung. Eine Halle in Tallage mit einem Wald drumherum eignet sich eher nicht.

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Über 90 % der Gewerbedächer in Deutschland eignen sich für PV-Anlagen

Unter diesen Bedingungen, wie viele Gewerbedächer in Deutschland haben das Potenzial für PV-Anlagen?

Tatsächlich sehr viele. Aus meiner Praxiserfahrung heraus kann ich sagen, dass es in weniger als 10 % der Fälle überhaupt nicht ging. Bei den restlichen Dächern haben wir bei circa der Hälfte Anlagen gebaut, die aufgrund der Dachrestriktionen etwas kleiner war als es sich der Kunde gewünscht hat. Beim Rest konnte die Anlage wie geplant umgesetzt werden.

Der zweite Punkt, auf den Sie achten, ist der Netzanschluss. Was steht dafür auf Ihrer Checkliste?

Hier überprüfe ich, ob die Liegenschaft an das Nieder- oder Mittelspannungsnetz angeschlossen ist und ob Umbauten notwendig sind, so dass eine Erzeugeranlage überhaupt angeschlossen werden kann. Bei einem Anschluss an das Mittelspannungsnetz muss bei Bedarf eine Fernwirktechnik installiert werden, mit der der Netzbetreiber die Anlage abregeln kann. Außerdem überlege ich, wie wir von A nach B kommen. Kabelwege sollten möglichst außerhalb des Gebäudes verlaufen, zum Beispiel an der Fassade entlang und nicht in der Nähe von gefährdeten Bereichen wie Rechenzentren und Gefahrgutlager.

Dach, Statik und Netzanschluss eignen sich für eine Dachanlage. Was gibt den Ausschlag für die Größe der PV-Anlage?

Es hat sich in der Praxis bewährt erstmal das Dach selbst anzuschauen und zu sehen wie viel passt da maximal drauf. Wenn ich die Maximalbelegung kennen, überprüfe ich, ob wir damit knapp über einer irgendwie gearteten Grenze liegen. Bei einer Anlage ab 100 kWp muss der Betreiber in die verpflichtende Direktvermarktung. Hier könnte es Sinn machen, eine Anlage knapp unter dieser Grenze zu bauen.

Bei Anlagen ab circa 170 kWp bis 180 kWp – konkret ab 135 kVA auf der AC-Seite – müssen die Komponenten und die Anlage selbst eine Zertifizierung nach VDE AR-N 4110 durchlaufen, was einen merklichen Aufwand verursacht. Auch hier kann es im Einzelfall klüger sein, die Grenze knapp zu unterschreiten. Bei manchen Netzbetreibern muss außerdem ab 450 kW die Anlage fernwirkbar und intelligent sein, sodass der Netzbetreiber Informationen über den Betriebszustand der Anlage und der Mittelspannungstechnik erhält und abregeln kann. Das macht ein Projekt natürlich auch teurer – gerade dann, wenn die vorhandene Mittelspannungstechnik dafür erneuert oder ganz neu eingebaut werden muss.

Die Größe der Anlage hängt auch vom gewählten Business Case des zukünftigen Betreibers ab. Bei einer Anlage, die der Eigenversorgung dient, sollte man sich zum Beispiel fragen, welcher Anteil des erzeugten Stromes selbst verbraucht werden soll. Ist geplant 100 % des erzeugten Stromes selbst zu verbrauchen, fällt die Anlage kleiner aus. Bei niedrigen Eigenversorgungsraten verlängert sich umgekehrt die Amortisierung, da der Eigenverbrauch mehr einspart als die Einspeisung einbringt. All diese Überlegungen fließen in die Dimensionierung mit ein.

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Den richtigen Projektierer für das eigene PV-Projekt finden

Allein wird man diese Fragen nicht beantworten können. Wie schreibe ich ein PV-Dachanlagenprojekt am besten aus?

Am besten gar nicht. Es ist für die meisten Unternehmen unmöglich, alle oben genannten Punkte in eine Ausschreibung zu packen. Und je weniger relevante Informationen eine Ausschreibung enthält, desto unterschiedlicher sind die Angebote, die man erhält und desto schwieriger die Entscheidung. Für eine wirklich gute Ausschreibung müsste der Ausschreiber bereits eine detaillierte Planung vorgenommen haben.

Meine Empfehlung ist es daher, die Projektierer und Solateure zu einem Vor-Ort-Termin einzuladen, damit sie sich selbst ein Bild machen können. Das können lokale oder bundesweit tätige Unternehmen sein, die sich auf den Gewerbe- und Industriebereich und seine Anforderungen spezialisiert haben. Optimalerweise kann der Kunde bei der Suche nach passenden Anbietern bereits auf Empfehlungen anderer Unternehmer zurückgreifen. Am Ende ist aber entscheidend, sich selbst ein Bild vom Anbieter zu machen und diesem umgekehrt die Möglichkeit zu geben, die Ziele und Anforderungen des Projekts und dessen Rahmenbedingungen vor Ort vollständig zu erfassen. So kann man wechselseitig ein gutes Gefühl dafür entwickeln, ob man zusammenpasst oder nicht.

Ich verstehe aber auch, dass das nicht für jeden möglich ist. Wenn man ein Projekt daher ausschreiben muss, sollte man möglichst alle technischen Informationen mitgeben und technologieoffen an die Angebote herangehen.

Am Ende sollte immer das Gesamtkonzept stimmen und der Auftraggeber sollte ein gutes Bauchgefühl haben.

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Der richtige Zeitpunkt für ein PV-Projekt ist: jetzt

Der richtige Projektierer ist beauftragt. In welche Schritte lässt sich die Umsetzungsphase aufteilen?

Grundsätzlich kann man PV-Projekte aufteilen in die Konzeptphase, Planungsphase, Umsetzung, Abnahme und Inbetriebnahme. In der Konzeptphase klären wir, was gemacht und was nicht gemacht werden kann, finden die Grenzen heraus, erstellen ein technisches Grundkonzept und erarbeiten ein Budget. In der Planungsphase klären wir die letzten technischen Details und beauftragen den Projektierer oder Solateur.

Dann kommt die Umsetzung. Hier beginnen wir meistens mit den Arbeiten auf dem Dach, da die Module, Wechselrichter und Unterbau kürzere Lieferzeiten haben als die Komponenten für die Wechselstromseite, falls hier auch ein Umbau nötig ist. Die Montage selbst dauert im Schnitt vier bis fünf Wochen. In der Abnahme werden meistens noch Nacharbeiten fällig und Restarbeiten erledigt. Und dann kann die Anlage in Betrieb genommen werden, sofern auch alle administrativen und bürokratischen Vorgaben erfüllt wurden.

Wann ist denn der beste Zeitpunkt, um mit einem PV-Projekt zu starten?

Jetzt! Bei PV-Projekten gibt es keine saisonal besseren oder schlechteren Zeiten. Klar, im Winter dauert die Montage etwas länger, aber gerade bei Projekten mit Umbauten zum Beispiel am Trafo, für den bestimmte elektrische Komponenten benötigt werden, können die Lieferzeiten mehrere Monate betragen. Daher ist immer der richtige Zeitpunkt, um damit loszulegen.

Vielen Dank, Herr Schuth, für das Gespräch.

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Häufig gestellte Fragen

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Peter Schuth
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