Fristverlängerung zur Drittmengenabgrenzung auf 31.12.2021
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Regierung verlängert Frist zur Drittmengenabgrenzung um ein Jahr

Im Zuge der heute im Bundestag beschlossenen Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), das zum 01.01.2021 in Kraft treten soll, wurde die Übergangsfrist zur korrekten Drittmengenabgrenzung durch geeichte Zähler auf den 31.12.2021 verlängert. Ursprünglich sollte die Frist zum Jahresende 2020 auslaufen. Die Fristverlängerung erfolgt auf Druck zahlreicher Verbände und ist eine Reaktion auf die Auswirkungen der Corona-Krise sowie den erst sehr spät erschienen Leitfaden der Bundesnetzagentur. Unternehmen, die z.B. als Eigenversorger von einer ermäßigten EEG-Umlage auf Eigenverbrauch oder im Zuge der besonderen Ausgleichsregelung (BesAR) profitieren, haben nun ein Jahr mehr Zeit, die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen.

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Konsequenzen der Fristverlängerung zur Drittmengenabgrenzung

Bislang galt für alle Unternehmen und Betriebe, die eine ermäßigte EEG-Umlage in Anspruch nehmen (analog: ermäßigte KWK-Umlage, §19 StromNEV-Umlage oder Offshore-Umlage) die Pflicht, bis spätestens zum 31.12.2020 mess- und eichrechtskonforme Zähler einzubauen, sofern sich noch weitere „Dritte“ Stromverbraucher am Standort befinden. Andernfalls hätte ein ermäßigte EEG-Umlage bereits für das Jahr 2020 nicht mehr geltend gemacht werden können. Die zuvor übliche Schätzung dieser Drittmengen sollte damit unterbunden werden. Durch die nun erfolgte Fristverlängerung dürfen Unternehmen noch ein weiteres Jahr ausnahmsweise die Drittmengen schätzen, statt zu messen. Das heißt im Einzelnen:

  • Die Umrüstung auf geeichte Zähler mit Erfassung der Strommengen in 15-Minuten-Intervallen muss bis zum 31.12.2021 erfolgen bzw. das entsprechende Messkonzept muss erst zum 01.01.2022 greifen
  • für das Jahr 2020 können Unternehmen somit weiterhin eine ermäßigte EEG-Umlage in Anspruch nehmen, ohne ein entsprechendes Messkonzept vorlegen zu müssen
  • Netzbetreiber können von den Unternehmen in 2021 keine Nachzahlungen der EEG-Umlage für die Vergangenheit verlangen, falls noch kein Messkonzept umgesetzt wurde
  • alle Fristen verschieben sich um ein Jahr

Wichtig: Die Verschiebung der Frist für den Zählereinbau um ein Jahr befreit die Unternehmen nicht von der grundsätzlichen Pflicht, die Verbräuche von Dritten am Standort bei der Geltendmachung des EEG-Umlageprivilegs von den eigenen Verbräuchen abzugrenzen. Die Drittverbräuche dürfen lediglich noch ein weiteres Jahr geschätzt statt gemessen werden. Die 6 hilfreichsten Tipps zur Drittmengenabgrenzung haben wir für Sie auf unserem kostenlosen Poster übersichtlich zusammengefasst:

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Hintergrund der verlängerten Frist zur Drittmengenabgrenzung

Ausschlaggebend für die neue Frist sind vor allem zwei Faktoren. Einerseits herrschte lange Zeit Unklarheit darüber, wie die im Energiesammelgesetzt 2018 eingeführten Vorgaben zur Drittmengenabgrenzung in der Praxis konkret zu verstehen bzw. rechtssicher umzusetzen sind. Klarheit darüber sollte ein Leitfaden der Bundesnetzagentur verschaffen. Dieser erschien allerdings – nach langer Wartezeit – erst im Oktober 2020 in seiner finalen Fassung. Somit blieben den Unternehmen gerade einmal zwei Monate Zeit für die Umsetzung. Entsprechend groß war die Nachfrage, sodass es zum Teil zu Lieferengpässen bei der benötigen Zählertechnik gekommen ist. Erschwerend hinzu kamen die Auswirkungen der Covid-19 Pandemie, die ein Betreten von Betriebsgelände für den Zählereinbau durch externe Installationsbetriebe z.T. unmöglich machten.

Bild Blogartikel Leitfaden Bundesnetzagentur
Alles zum Leitfaden Messen und Schätzen der Bundesnetzagentur

Druck zur Umsetzung der Drittmengenabgrenzung bleibt hoch

Trotz der erfolgten Fristverlängerung bleibt der Druck auf betroffene Unternehmen hoch, denn aufgeschoben ist bekanntlich nicht aufgehoben. Im Anbetracht der verlängerten Frist wird zudem davon auszugehen sein, dass die Netzbetreiber zukünftig umso stärker auf die Einhaltung dieser neuen Frist pochen werden. Da die Zeit zur Umsetzung– von der Bedarfsanalyse bis zum abschließenden Zählereinbau – in komplexen Fällen durchaus einige Monate betragen kann, empfiehlt sich, das Thema zügig anzugehen. Schauen Sie sich dazu auch unser ausführliches Web-Seminar zum Thema an – natürlich kostenlos!

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