FAQ  zur Drittmengenabgrenzung und Stromweiterleitung an Dritte
Hier finden Sie aktuelle Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema Drittmengenabgrenzung und Stromweiterleitung an Dritte.
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Was ist die Stromweiterleitung an Dritte und was bedeutet Drittmengenabgrenzung in diesem Zusammenhang?

Stromweiterleitung an Dritte tritt ein, wenn ein Letztverbraucher an einen anderen Letztverbraucher – den „Dritten“ – Strom abgibt bzw. leistet. Bei dem Dritten kann es sich um ein anderes Unternehmen, d.h. eine andere juristische Person, oder eine natürliche Person handeln. Ein typischer Fall liegt vor, wenn ein Unternehmen der Hauptverbraucher ist, d.h. der „Marktpartner“ bzw. Anschlussnehmer gegenüber dem Netzbetreiber, auf dem Werksgelände aber auch von anderen Unternehmen oder natürlichen Personen Strom verbraucht wird. Zum Beispiel in (unter-)vermieteten Büro- oder Lagerräumen, Kantinenbetrieben, Getränke- und Snackautomaten, durch Dienstleisterpersonal oder in geleasten Maschinen.  Sofern nun der Hauptverbraucher energiewirtschaftliche Privilegierungen für Stromverbräuche in Anspruch nimmt bzw. nehmen möchte - wie bspw. eine reduzierte EEG-Umlage für Eigenverbrauch oder reduzierte Stromsteuer beim Netzbezug – dann gelten diese Privilegierungen eben nur für den Hauptverbraucher und nicht für etwaige Drittverbräuche am Standort. Somit sind diese Drittverbräuche durch geeignete Messtechnik viertelstundengenau abzugrenzen (vgl. Frage 11) und den entsprechenden (juristischen oder natürlichen) Personen zuzuordnen: Drittmengenabgrenzung.

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Welche Unternehmen sind davon betroffen? D.h. wann muss eine Drittmengenabgrenzung vorgenommen werden?

Regelmäßig ist die Drittmengenabgrenzung gefordert, sofern eine Privilegierung nach mindestens einem den folgenden Tatbestände vorliegt:

  • Reduzierte EEG-Umlage auf selbst erzeugten und vor-Ort verbrauchten Strom (Entfall bei Bestandsanlagen, 40% bei neueren Anlagen usw.)
  • Reduzierte EEG-Umlage auf Strom aus dem öffentlichen Stromnetz für stromkostenintensive Betriebe (Besondere Ausgleichsregelung, Härtfallregelung)
  • Reduzierte Stromsteuer auf Strom aus dem öffentlichen Stromnetz für Unternehmen des produzierenden Gewerbes (nach bspw. § 9b, 10 StromStG)
  • Reduzierte individuelle Netzentgelte gem. §19 Abs. 2 StromNEV
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Betrifft die Drittmengenabgrenzung nur die EEG-Umlage oder auch andere Sachverhalte, z.B. Stromsteuer, BesAR, verminderte Netzentgelte…?

Ja, die Drittmengenabgrenzung betrifft auch weitere Sachverhalte, siehe Frage 2.

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Wie lässt sich am einfachsten prüfen, ob mein Unternehmen von der Pflicht zur Drittmengenabgrenzung betroffen ist?

Grundsätzlich ist jedes Unternehmen betroffen, welches Privilegierungen (siehe Frage 2) in Anspruch nimmt, da mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an den Standorten der Unternehmen auch Drittverbraucher vorhanden sind (siehe Frage 5 ). Für die betroffenen Unternehmen sind im Einzelfall die beiden folgenden Fragen entscheidend:

  1. Müssen die anfallenden Drittmengen auch tatsächlich abgegrenzt werden, oder fallen sie unter die Bagatellgrenze (vgl. Frage 10), und
  2. wenn sie abzugrenzen sind, ob sie gemessen werden müssen oder geschätzt werden dürfen (vgl. Frage 11).

Die Regelungen sowohl für 1. als auch 2. wurden mit dem sog. Energiesammelgesetz 2018 erheblich verschärft. Eine eingeräumte Übergangsfrist endet am 31.12.2020.

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Wer zählt als Dritter bzw. was zählt als Drittmenge? Welche typischen Fälle gibt es?

Über die meisten Branchen hinweg sind regelmäßig folgende Drittverbraucher an den Standorten anzutreffen:

  • Tochter- und Schwesterunternehmen bzw. -gesellschaften,
  • vermietete Büro- oder Lagerräume,
  • Dienstleister wie Kantinenbetriebe, Reinigungspersonal, Kinderbetreuung,
  • IT-Dienstleister mit eigener Hardware,
  • Ladesäulen für Elektroautos,
  • Getränkeautomaten,
  • Funkmasten,
  • geleaste Maschinen,
  • Hausmeisterwohnungen
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Was muss ein Unternehmen tun, um die gesetzlichen Anforderungen zur Drittmengenabgrenzung korrekt umzusetzen?

Dies ist im Einzelfall in Abhängigkeit von den konkreten Gegebenheiten am Standort zu ermitteln. Grundsätzlich muss ein Unternehmen bis zum 31.12.2020 die folgenden vier Schritte umsetzen:

  1. Betroffenheitsanalyse durchführen
  2. Messkonzept für jeden Standort erstellen, welches aufzeigt, wie die einzelnen Verbräuche gemessen bzw. voneinander abgegrenzt werden  (vgl. Frage 9)
  3. Messkonzept technisch umsetzen, d.h. Einbau entsprechender, geeichter Zähler
  4. Software einführen, die die Zählerdaten empfängt, die Abgrenzung korrekt durchführt und revisionssicher dokumentiert, z.B. den opti.node Manager
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Welche Fristen sind einzuhalten?

Das kommt darauf an, welche Privilegierungen das betroffene Unternehmen in Anspruch nimmt, die eine Drittmengenabgrenzung erforderlich machen (vgl. Frage 2). Durch das Energiesammelgesetz wurden die Vorgaben zur Abgrenzung von Drittmengen im Zusammenhang mit der EEG-Umlage deutlich verschärft und eine Übergangsfrist bis zum 31.12.2020 eingeführt, die die zuvor zulässigen Schätzverfahren übergangsweise weiterhin erlaubt (Abs. 10, 11 § 104 EEG).

Bis zum 31.12.2020, dürfen für das EEG relevante Drittmengen demnach geschätzt werden, sofern bis dahin ein Messkonzept vorgelegt werden kann, welches ab 01.01.2021 sicherstellt, dass Drittmengen grundsätzlich geeicht und viertelstundenscharf abgegrenzt werden, oder Schätzungen und Bagatellen in sehr engen Grenzen begründet.

Für andere Privilegierungen, die eine Drittmengenabgrenzung erforderlich machen, z.B. aufgrund einer reduzierten Stromsteuer, gilt diese Frist nicht.

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Ergeben sich laufende Pflichten für ein Unternehmen, oder nur ein einmaliger Aufwand?

Grundsätzlich ist die korrekte Drittmengenabgrenzung eine dauerhafte, gesetzliche Anforderung und muss in Form von regelmäßigen Meldungen an die zuständigen Stellen/Behörden umgesetzt werden. Somit sollte bereits bei der erstmaligen Auseinandersetzung mit der Thematik neben der Aufstellung eines geeigneten Messkonzepts zeitgleich ein Konzept/Prozess bedacht werden, wie zukünftig Veränderungen innerhalb der Liegenschaften in Bezug auf die Drittmengenabgrenzung berücksichtigt werden sollen. Der opti.node Manager ist hierfür ein super Werkzeug.

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Was ist ein Messkonzept? Welche Anforderungen muss es erfüllen? Braucht es einen Wirtschaftsprüfer?

Aus rechtlicher Sicht ist das Messkonzept eine "Erklärung", die geeignet ist Beweis zu erbringen, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden. In welcher Form genau ein Messkonzept ab 2021 darzustellen ist, ist bisher nicht final geklärt. Das Gesetz trifft hierzu keine Aussage. Ein Messkonzept sollte jedoch grundsätzlich folgende Punkte enthalten:

  • Eine Übersicht über alle Stromverbraucher (Rechtseinheiten) am Standort; d.h. Hauptverbraucher sowie vorhandene Dritte;
  • Eine Darstellung, wie die verbrauchten Strommengen jeweils erfasst und abgegrenzt werden, bspw. über ein Zählerschaubild und/oder organisatorische Prozesse (inkl. Verantwortlichkeiten, Softwareeinsatz und ggf. Intervalle für manuelle Ablesungen)

Sofern die Mengenermittlung nicht über eine geeichte ¼h-Messung erfolgt, muss zudem enthalten sein:

  • Darstellung und Erklärung des alternativen Verfahrens zur Ermittlung (Schätzung, Hochrechnung, exemplarische Messung)
  • Begründung für die Abweichung vom Standardverfahren (=Messung)

Dient das Messkonzept zur Abgrenzung von Strommengen im Zusammenhang mit der EEG-Umlage, so kann der zuständige Übertragungsnetzbetreiber zu dem Messkonzept überdies ein Testat eines Wirtschaftsprüfers verlangen (§ 104 Abs. 10 EEG).

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Gibt es Ausnahmen? Was ist die Bagatellgrenze und wann kann sich ein Unternehmen darauf berufen?

Wenn es sich um geringfügige Stromverbräuche Dritter handelt, die typischerweise und im konkreten Fall nicht abgerechnet werden und sie auf dem Grundstück/ in den Räumlichkeiten des Hauptverbrauchers erfolgen, kann es sich um eine Bagatelle handeln. Solche „Bagatellmengen“ müssen nicht abgegrenzt werden (§ 62a EEG). Ab wann ein Verbrauch unter diese „Bagatellgrenze“ fällt ist wiederum einzelfallabhängig. Man findet derzeit unter Berufung auf den Hinweis der BNetzA zum Messen und Schätzen, das 3.500 Kilowattstunden pro Jahr pro Verbrauchseinheit als Bagatelle qualifizieren. Dieser Hinweis liegt bislang jedoch nur in der Konsultationsfassung vor. In der endgültigen Fassung des Hinweises ist mit weiteren Präzisierungen zu rechnen.

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Welche Strommengen sind zu messen, welche können geschätzt werden? Welche Vorgaben gibt es dazu?

Grundsätzlich müssen alle Strommengen viertelstundenscharf mit geeichten Zählern gemessen werden, sofern nicht eine Ausnahme greift (§ 62b EEG). Eine Ausnahme liegt vor, wenn es technisch unmöglich ist den Drittverbrauch zu messen bzw. der Aufwand zur Messung wirtschaftlich unzumutbar ist. Dann kann stattdessen eine Schätzung vorgenommen werden. Diese Ausnahmeregelung ist jedoch normativ unbestimmt, d.h. ob dies auf eine Drittmenge zutrifft ist vom Einzelfall abhängig und muss individuell geprüft werden.

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Welche Konsequenzen drohen einem Unternehmen, wenn es die gesetzlichen Anforderungen zur Drittmengenabgrenzung nicht einhält?

Grundsätzlich kann bei Unstimmigkeiten das betreffende Privileg für den Bezugszeitraum entzogen werden und somit beispielsweise die volle EEG-Umlage auf eigenverbrauchte Strommengen oder vergünstigte Strombezugsmengen anfallen. Darüber hinaus ist es auch möglich, dass die Privilegien auch bis zu 5 Jahre rückwirkend entzogen und somit zurückgezahlt werden müssen. Letztlich sind sowohl im EEG, als auch im StromStG erhebliche Bußgelder vorgesehen, die überdies verhängt werden können, wenn Vorsatz o.ä. im Raum steht.